Bar

Algameca Bar



Anmerkung: Dolfs Wohnzimmer

Die Algameca Bar existiert nicht. Mehr noch: Algameca chica existiert offiziell nicht. Die über zwanzig Jahre alte Ansiedlung provisorischer (Wochend-) Häuser verfügt weder über Strom- noch Wasser- oder Abwasserversorgung. Sie liegt allerdings malerisch an einer kleinen Bucht. Das benachbarte Algameca besitzt tatsächlich einen kleinen Hafen mit Anleger. » Video
Fakten: = in Iberische Hitze = fiktiver Ort
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Die Algameca Bar war das erste Haus der Fischersiedlung. Von Dolfs Bude oder der Brücke zur Altstadt nur eine Viertelstunde Fußweg durch die rambla entfernt. (Hitze, S. 103)

Die Bar war wahrscheinlich einmal als Matrosenkneipe gedacht gewesen. Das Lokal lag am alten Flussbett, auf halbem Weg zwischen der Bucht und der Stadt, kaum eine Viertelstunde Fußweg von der Kadettenschule und vom Marinehafen. Weniger als zwanzig Minuten oberhalb des kleinen Fischerdorfes, das so hieß wie die Bar, der Fluss und das Tal. Fischerleute aus dem Dorf und Matrosen von den Pötten im Marinehafen, das musste wohl das Kalkül gewesen sein. Vor allem Seefahrer sollten angelockt werden von den Netzen und Bojen, Glaskugeln und Tauen, Seesternen und Crusteaceen, die in wirren Knäueln von Decke und Wänden hingen. Billige Plastikimitate waren es allesamt, die, ramponiert und schrundig von den alljährlichen Gelagen und anschließenden Raufereien, ihr karamellfarbenes Innere preisgaben. Nicht einmal im Halbdunkel gingen sie als Originale durch.

Angel, der Alte, der hier jahrein, jahraus hinterm Tresen stand, hatte die Dekoration übernommen, als das Lokal wegen irgendwelcher dunklen Geschäfte zugemacht wurde. Dass eine Bar, egal, wie heruntergekommen, Bankrott ging, so etwas gab es nicht einmal im Spanien nach dem Platzen der Immobilienblase, in der größten Krise seit Menschengedenken.

Ein von innen beleuchteter Zigarettenautomat aus der Zeit, als Rauchen in den Bars noch erlaubt gewesen war, stand in einer Ecke und draußen, am staubigen und zweimal im Jahr schlammigen Rand des Flussbetts, warteten zwei Tische unter einem verschlissenen Schirm. (Hitze, S. 68)

Am anderen Ende des langen Tresens, hinter dem gläsernen Kühlaufsatz mit einem einsamen Kartoffelsalat und einem Schälchen mit verschrumpelten croquetas, steckten drei Fischer die Köpfe zusammen und hielten sich an ihren Gläsern fest: Paco, ein gemütlich aussehender Großvater, Pepelino, ein großgewachsener Bär mit mächtiger Wampe, und Diego, ein sehniges Männchen. An einem anderen Abend hätte sich Dolf zu ihnen gesellt und den Geschichten gelauscht, die sie in ihre Bärte grummelten. Dabei trug nur Paco einen struppigen Vollbart, die anderen beiden hatten die dünnen Schnäuzer und Drei-Tage-Stoppeln, wie sie das Folklorebuch für spanische Seeleute vorzuschreiben schien. Aber heute war Dolf nicht nach Gesellschaft.

Jetzt, kurz vor Mitternacht, waren er und die Fischer die einzigen Gäste außer einem späten Mädchen, das draußen eine nach der anderen rauchte und sich nicht eingestehen wollte, dass in dieser Nacht wirklich kein Freier mehr aufzutreiben war. (Hitze, S. 68-69)