Festung

Campillo de adentro



Anmerkung: Verlies – dort wird Concha festgehalten » Video
Fakten: = in Iberische Hitze = Ort existiert
Realer Name: Castellitos / Almacen
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Die karge Hügellandschaft vor dem Hafen von Cartagena, westlich vom Cabo Tiñoso, lag als militärisches Sperrgebiet um eine weitläufige Festung aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg herum. Ihre lichte Märchenarchitektur war mit Türmchen und Zinnen, Erkern und Verzierungen geschmückt, die keinerlei militärische Funktion hatten, sondern nur der Tatsache geschuldet waren, dass an diesem Ort Soldaten über Jahre Wache geschoben hatten und ihre Obersten sie damit beschäftigten, immer neue Bögen, Wasserspeier und imitierte Felsen aufzumauern und auszubessern.

Die Hauptstraße der verlassenen Kaserne, nicht mehr als eine gepflasterte Gasse, schlängelte sich zwischen den Gebäuden, die in das Relief des Höhenzuges eingepasst waren. Über den Flachdächern war der Fels zu einem Plateau abgetragen, das freie Sicht und Schussfeld auf das Meer hinaus bot. (Hitze, S. 166)

Unterhalb der alten Festung duckten sich vorgelagerte Wachhäuschen ins Gelände, von denen man das umgebende Meer und die wichtigsten Buchten überblicken konnte. Von diesen Unterständen führten Pfade hoch in die Kaserne der Wachsoldaten. Noch in den fünfziger Jahren waren die Wege für geländegängige Motorräder befahrbar gewesen, aber inzwischen waren sie zugewachsen oder mitsamt ihren Stützmauern abgerutscht. Für Dolfs alte Vespa jedenfalls waren die Motorradpfade nicht passierbar. (Hitze, S. 167)

Die Märchenfestung war seit Jahren aufgegeben, es gab noch nicht einmal eine Bewachung. Es war ein verlassener Ort. Zugleich von morbider Magie, fast wie ein schlafender Drache. Tagsüber besuchten manchmal Touristen die Stelle, so wie Dolf einige Tage zuvor, wegen des uneingeschränkten Rundumblicks über das Meer. Und wegen der Kanonen.

Auf das Meer gerichtet rosteten drei schwere Drehkanonen vor sich hin, Ungetüme mit sechs, sieben Meter langen Rohren. Die Mündungen waren aus Sicherheitsgründen verschweißt, weil sie groß genug waren, um ein Kind oder einen Hund hineinkriechen zu lassen. Die Lafetten waren ursprünglich einmal auf riesigen Kreisbogen gelaufen, um fast dreihundertsechzig Grad schwenkbar. Jetzt aber saßen die Geschütztürme angerostet fest. Ihre Kanonenrohre ragten, kaum einen Meter über der Fläche, unbeweglich aufs Meer hinaus. (…) Die einzige Zufahrt, eine einspurige gewundene Landstraße, führte durch ein weites Tal, das nach dem kleinen Ort an der Straße Campillo de adentro genannt wurde. (Hitze, S. 287-288)

Die Gebäude diesseits der Kanonenplattform duckten sich unbewegt ein paar hundert Meter entfernt an den Hügel. Wie verlassen. (Hitze, S. 290)

Der Raum für die Verwaltungsgebäude der ehemaligen Kaserne war aus dem weichen Stein herausgehauen worden; ihre Außenmauern standen so dicht davor, dass zwischen den Flachbauten und dem Plateau nur eine schmale Lücke klaffte, kaum mehr als schulterbreit. (…) Leider wusste er, dass der Fels nicht so massiv war, wie er wirkte. Die Geschütztürme der Kanonen waren mehrere Meter tief darin eingelassen. Unterirdisch durchlöcherten Flure und Schächte für die Versorgung mit Munition den Stein und waren sicher verteufelt gute Schallüberträger. (Hitze, S. 293-294)